Akupunktur
Das Ganzheitliche der
klassischen Akupunktur

Erfahrungsbericht
von
Udo Lorenzen
Heilpraktiker
Funktionskreise
Nun ist es an der
Zeit, ein weiteres Konzept der chinesischen Medizin einzuführen nämlich das der Funktionskreise (chin.
Zang Fu). Wie schon erwähnt, liegt der Fokus der chinesischen Medizin auf Funktionszusammenhänge, auf
energetische Prozesse, die sich in einer Polarität (Yin-Yang) abspielen und zyklisch verlaufen (5
Wandlungsphasen). Die Lehre von den Zang Fu beschreibt das Zusammenspiel eines Yin-Organs (Zang) mit einem
Yang-Organ (Fu) und welche Funktionsbereiche davon erfasst werden.
Jeder Funktionskreis hat seine besonderen Einflüsse = Qi und ist verantwortlich für eine grundlegende Funktion, die
sich auf allen möglichen Ebenen des menschlichen Seins abspielen kann: körperlich, geistig, seelisch, emotional,
sozial, kosmisch! Gleichermaßen wirken bestimmte kosmische Einflüsse (das Qi der Natur) wie Klima, Jahreszeit,
Gezeiten, Tag-Nacht-Rhythmus auf die ihr entsprechende Organfunktion.
Man könnte sagen: Die Lehre von den Funktionskreisen beschreibt die systematische Verknüpfung und Vernetzung
ähnlich gerichteter Funktionen und Prozesse im Mikro- und Makrokosmos. Der Mensch steht zwischen Himmel und Erde,
das Wirken im großen Weltall spiegelt sich wieder im Kleinen!
An dieser Stelle ist noch wichtig zu erwähnen, dass die chinesische Beschreibung von derartigen
Funktionszusammenhängen der westlichen Medizin fremd ist. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit die Schulmedizin sich
solchen Überlegungen öffnet oder sie als absurd bzw. spekulativ abwertet. Die traditionelle chinesische Medizin ist
über 2000 Jahre alt.
Sie hat 2000 Jahre Zeit gehabt, diese Funktionszusammenhänge immer wieder neu zu prüfen und zu verifizieren. Damit
zählt sie zu den beständigsten Medizinsystemen der Welt. Die heutige Schulmedizin, die aus dem Wirken des Rudolf
Virchow entstanden ist, ist kaum 150 Jahre alt und seither ständig verändert worden. Seine Lehre der
Zellpathologie begründet sich auf toter Materie, die chinesische Medizin auf lebendige Prozesse.
Im Folgenden möchte ich einen Funktionskreis näher besprechen, die Lunge, welche der Wandlungsphase Metall zugehört
und mit dem Yang-Partner Dickdarm gekoppelt ist.
1. Ihre grundlegende Funktion: die Lunge ist verantwortlich für die Synthese und Verteilung des Qi. Die
Lunge kontrolliert also das Qi. Die Chinesen sagen: „die Lunge beherrscht das Qi“! Die Lunge ist die Instanz
für eine rhythmische Energieentfaltung auf allen Ebenen:
körperlich - Atmung, Pulsrhythmus, rhythmische Bewegungsabläufe beim Gehen, Tanzen, Sprechen;
geistig - Wach-Schlafrhythmus, Wechsel von rationalen und intuitiven Denken;
emotional - rhythmischer Wechsel der Gefühle, der situationsabhängig ist;
psychisch - Triebentfaltung und Triebbefriedigung;
sozial - die Anpassung an Fremdrhythmen, an einen Arbeitsrhythmus (Schichtarbeit, Arbeit- und
Freizeitverhältnis, Arbeitslosigkeit);
kosmisch - die Anpassung an sich verändernde Witterungsbedingungen und planetarische Einflüsse.
Rhythmus ist immer Eigenrhythmus und ist ein wesentliches Merkmal für die Lebendigkeit eines Wesens ("pulsierendes
Leben"). Wer seinen Rhythmus gefunden hat, lebt zufrieden und kreativ, wer seinen Rhythmus verloren hat, wird
krank, starr, seine Funktionen geraten aus dem Takt. Auch Fremdrhythmen, die den eigenen Rhythmus sehr stark
überlagern bzw. blockieren, können Störungen bewirken: z. B. Nachtarbeit, Fließbandarbeit, starker sozialer Druck
(Außenseiter, Sündenbock), Flugreisen ( Jet lag) etc. Ebenso können radikale, gewaltsame Veränderungen im Leben wie
z. B. ein schwerer Verlust, ein Sterbefall, ein Verlassenwerden vom Partner, Arbeitslosigkeit und auch der Eintritt
ins Rentendasein zu Funktionsstörungen im Funktionskreis Lunge führen.
Dies alles zeigt die große Bedeutung der Lunge im Konzert der einzelnen Funktionskreise. Gesundheit bedeutet
Schwingungsfähigkeit in allen dynamischen Prozessen. Wer krank wird, hat diesen Rhythmus verloren!
2. Ihre funktionelle Darstellung ist die Haut und Körperbehaarung sowie die Schweißdrüsen. Die Haut ist
unser größtes Organ die erste Verteidigungsfront gegen Fremdeinflüsse. Hier befindet sich eine besondere Qualität
von Qi, die Schutzenergie. Hier finden Abgrenzungen statt, Grenzziehungen, die notwendig sind, um die eigene
Integrität, den Eigenrhythmus zu wahren.
Gesund ist ein rhythmischer Wechsel von Nähe und Distanz, aufnehmen und ausscheiden, sich öffnen und verschließen,
zulassen können und abwehren. Dies bezieht sich nicht nur auf Fremdeinflüsse wie Viren, Bakterien, Strahlen, Wind
und Kälte sondern auch auf soziale Beziehungen und auf Reize jeglicher Art wie Gefühle, Ideen, Phantasien,
Bedürfnisse, Sehnsüchte etc.
Krank macht, wo dieser rhythmische Wechsel gestört ist. Die Abgrenzung ist entweder total, man hat dicht gemacht
und lässt nichts mehr an sich herankommen. Aber auch das andere Extrem ist pathologisch: zu starkes Aufnehmen von
Fremdeinflüssen, über-sensibel sein für atmosphärische Schwingungen (Wetterfühligkeit, Allergien) und für die
Stimmungen der Mitmenschen. Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht!
Solche Menschen sind leicht die Mülleimer der Nation, der Schuttabladeplatz allen menschlichen Elends. Die Folgen
dieser überstarken Aufnahmebereitschaft von Einflüssen sind Überbelastung des Stoffwechsels und daraus resultierend
Verstopfung auf allen Ebenen und Ausscheidungsprobleme. Nicht umsonst ist der Partner der Lunge aus der Sicht der
chinesischen Medizin der Dickdarm, also die Instanz der Ausscheidung und inneren Reinigung (Läuterung) per se.
Verstopfung und andere Funktionsstörungen des Dickdarms zeigen sich auf der Haut als Ausschläge, Pickel, Mitesser
und anderem.
Was der Darm nicht mehr ausscheiden kann, geht über die Haut nach außen. Dies sind lebensnotwendige
Ausscheidungsprozesse, die nicht unterdrückt werden dürfen! Dies ist ein Notausgang! Wird auch der noch zugestopft,
geht die Störung nach innen und materialisiert sich.
In der Praxis sind solche Beziehungen oft zu sehen. Ein schweres Lungenproblem (Asthma, chron. Bronchitis) ist auf
dem Boden eines unterdrückten Hautausschlages entstanden; bessern sich die Lungenbeschwerden, erscheint der
Hautausschlag wieder und fordert seine gerechte (richtige) Behandlung. Die Haut ist der Teppich der Seele, sagen
die Chinesen. Daraus folgt, dass psychische Probleme, verstopfte Gefühle, nicht gelöste Konflikte, ein schwerer
Verlust sich äußerlich auf der Haut manifestieren können. Wir sagen: „Es wächst mir über den Kopf“ und leben
in einer ständigen Stressbereitschaft und haben Schuppen oder: „ich fühle mich in meiner Haut nicht wohl“
und entwickeln Ausschläge und Pickel als Reaktion auf eine frustrierende Lebenssituation.
3. Das Sinnesorgan für die Lunge ist die Nase, das Geruchsvermögen, oder ganz allgemein unsere Sensibilität
auf Fremdeinflüsse. Wir sagen: ich kann diesen Menschen nicht riechen und meinen, er ist uns zuwider, bei dem
müssen wir uns deutlich abgrenzen. Die Witterung im zwischenmenschlichen Bereich ist hier gestört.
Witterung kommt von Wetter; Wetterfühligkeit bedeutet, empfindlich zu sein gegen atmosphärische Schwingungen. Diese
Witterung bekommt mir nicht bedeutet: diese Schwingung stört meinen Rhythmus, ich kann mich nicht frei entfalten
und muss leiden und verschließe mich.
Viele Krankheitsbilder haben diese Verschlimmerung durch Wetterwechsel:
z. B. der Migräneanfall beim Föhn, rheumatische Schmerzen werden stärker bei nasser Kälte etc. Wenn die Atmosphäre
in einem sozialen System gestört ist (Familie, Betrieb), zieht jeder sich in sich zurück und grenzt sich ab. Man
wittert Unheil und baut seine Verteidigung auf; Tiere wittern ihre Beute, Feinde, Sexualpartner; wenn zwei Menschen
sich kennen lernen, beschnuppern sie sich erst mal, um festzustellen, ob die Grenzlinien respektiert werden, ob
Gefahr droht oder ob es sich lohnt, die Grenzen zu verändern und mehr Nähe herzustellen. Dies alles umfasst die
Nase als Sinnesorgan und wird von der Lunge beherrscht.
Unser Sinnesorgan die Nase auf das bloße Riechvermögen zu reduzieren oder Störungen derselben nur auf einen banalen
Schnupfen zu begrenzen wird der Vielseitigkeit dieser Funktion aus der Sicht der chinesischen Medizin sicher nicht
gerecht.
4. Die Geschmacksrichtung der Lunge ist das Scharfe und Pikante. Scharf gewürztes Essen wirkt zerstreuend,
bringt das Qi in Bewegung und ist schweißtreibend; starkes Verlangen nach oder Abneigung gegen scharf gewürztes
Essen weist auf eine Störung im Lungenfunktionsbereich hin. Ebenso wird eine schwache Lungenenergie mit gut
gewürzten Speisen ergänzt und aufgebaut.
5. Spezielle Nahrungsmittel:
Speisen, die besonders auf die Lungen-Energetik einwirken, sind: Reis, Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln, Sellerie, alle
Nahrungsmittel, die weiß aussehen (im analogen Denken ist die weiße Farbe die farbliche Entsprechung der Lunge), z.
B. Fisch, Kalbsfleisch, Putenfleisch, ferner Pfirsich, Birne, Pfefferminze und v. a. m.
Auch Tabak (Nikotin) stimuliert die Lungenenergie. So ist der süchtige Raucher eigentlich ein Lungenschwächling,
der kompensatorisch versucht, dies Defizit auszugleichen. Die tiefe Inspiration und das Inhalieren beim Rauchen
entspricht dem Versuch, besser Luft zu bekommen und mehr Inspirationen. Die Zigarettenwerbung ist voll von der
großen weiten Welt, die wir mit der geeigneten Zigarettenmarke einsaugen. Aber eigentlich ist nur das aufgeregte
Männchen in der Werbung einer bestimmten Zigarettenmarke wirklich authentisch und führt uns die anfänglich
beruhigende Wirkung der Zigarette vor.
Versuch - Suchen - Sucht; wo der Mensch nur noch mangelhaft inspiriert wird, sucht er nach Dingen, die ihm
kurzzeitig Befriedigung verschaffen, aber doch nur Ersatz sind für die fehlende Schwingungsfähigkeit mit den
kosmischen Energien.
6. Eine Jahreszeit:
Unter den Jahreszeiten ist es der Herbst, welcher der Lunge entspricht. Nun ist der Herbst ja auch ein Symbol für
den Lebensabend eines menschlichen Lebens. Die Bewegungen in der Natur haben ihre Entsprechung auch im Menschen.
Dies ist eine Zeit, in der die Früchte des Lebens geerntet und genossen werden können, eine Zeit, in der aber auch
Abschied von der üppigen Lebensfülle des Sommers genommen werden muss. Trennung, Abschied, Loslösung ist angesagt:
die Kinder gehen aus dem Haus, die eigenen Eltern sterben, leicht bleibt eine Leere nach, die irgendwie gefüllt
werden muss. In dieser Phase ist der Mensch wieder auf sich selbst zurückgeworfen, er muss sein Leben neu bewerten
und strukturieren, er muss Klarheit finden. Dem Dao des Herbstes folgend, muss der Mensch lernen, äußere Dinge
(Geld, Besitz) nicht mehr so wichtig zu nehmen, den Geist zu beruhigen und eine innere Reinigung und Läuterung
vorzunehmen. Viele suchen in diesem Lebensabschnitt einen spirituellen Weg, einen Meister oder Guru, der ihnen
hilft, die Härte ihres Herbstes zu mildern. Probleme in diesem Loslösungs- und Reinigungsprozess bringen den
Menschen leicht in eine Depression. Gerade jetzt kann durch richtiges Atmen (Atemtherapie) die Lungenenergie
gekräftigt werden und ein neuer belebender Rhythmus gefunden werden. Erst durch erneute Inspiration kann ein
fruchtbarer Zugang zu dem Herbst des Lebens gefunden werden, kann die Furcht vor dem Tod gelindert werden und
ruhige Gelassenheit für den Lebensabend einkehren.
7. Eine Emotion: der gefühlsmäßige Ausdruck der Lunge ist die Trauer, Traurigkeit, Kummer, niedergeschlagen
sein, ängstlich besorgt. Trauer zu empfinden ist eine gesunde Reaktion auf einen Verlust. Jedes Gefühl hat seine
Bedeutung und Daseinsberechtigung im menschlichen Leben. Trauer ist wichtig, um loslassen zu können, um frei zu
werden für neue Bindungen. Von einer gestörten Emotion spricht man dann, wenn sie entweder unterdrückt wird oder zu
exzessiv, zu lange ausgelebt wird. Die chinesische Medizin beschreibt, dass zu starke Trauer das freie Fließen des
Qi behindert und Schmerzen in der Rippengegend, Verdauungsstörungen, Reizbarkeit und Depressionen verursacht;
zuletzt wird auch die Seele verletzt. Wenn die Fähigkeit zu trauern gestört ist, kann also der Mensch auf allen
Ebenen erkranken.
8. Ein sittliches Verhalten: die Tugend oder das sozial erwünschte Verhalten, welches der Lunge entspricht,
ist Gerechtigkeit und Pflichtgefühl.
Unter Sitte verstehen wir eine Verhaltensnorm, Gewohnheit oder Brauch; eine soziale Regelung in einer Gesellschaft,
die auf Normkonvention beruht und das Zusammenleben der Menschen verbindlich regelt. Ein Verstoß gegen die "guten
Sitten" ist eine Verletzung gesellschaftlicher Verhaltensnormen und wird sanktioniert.
Gerechtigkeit ist so die Tugend der richtigen Behandlung der Mitmenschen (richtig kommt von Recht) auch:
Rechtschaffenheit;
Pflichtgefühl ist der Sinn und das Streben, seine Pflichten erfüllen. Pflicht kommt von pflegen; das, was man tun
soll, damit es seinen Mitmenschen gut geht; die Pflege der sittlichen Forderungen einer Gesellschaft.
Kurz: Wir haben es hier mit dem Zusammenspiel von Pflichten und Rechten zu tun, die eine soziale Gemeinschaft
regelt; wieder das Verhältnis von geben und nehmen. Auch hier finden wir die Polarität von Yin und Yang: jede
einseitige Fixierung macht krank, hier sozial auffällig.
Wird Gerechtigkeit stark übertrieben, entsteht ein Schubladendenken: Hier die guten Menschen, dort die bösen. Dies
führt zu einer moralisierenden Bewertung menschlichen Verhaltens im Sinne von: „das tut man nicht“, „das
darfst du nicht“ etc. Der so urteilende Mensch ist der ewige Richter und Ankläger. Er neigt zu Vorwürfen und
Schuldzuweisungen und kritisiert alles, was nicht seinen Rechtsnormen entspricht. Er ist das personifizierte
schlechte Gewissen. Solche Menschen führen ständig Prozesse, sie verfolgen andere mit ihren Rechtsnormen und wollen
doch immer nur „ihr Recht“ haben. Die andere Seite ist die, dass Gerechtigkeit nicht oder nur wenig
empfunden wird. Das Verhalten den Mitmenschen gegenüber ist gleichgültig oder berechnend und selbstsüchtig. Extreme
Formen entwickeln sogar ein kriminelles Verhalten.
Wird Pflichtgefühl stark übertrieben, dann wird jede Kleinigkeit wichtig. Solche Menschen sind spitzfindig,
pedantisch und kleinkrämerisch. Korinthenkacker, Dukatenscheißer sind volkstümliche Ausdrücke für dieses zwanghafte
Pflichtgefühl, welches weniger die soziale Gemeinschaft pflegt als umso mehr eigene Bedürfnisse nach Größe und
Macht.
Wir finden die Verkörperung dieser sittlichen Tugenden von Gerechtigkeit und Pflichtgefühl in vielen Verwaltungen
des öffentlichen Lebens, in den Behörden. Es sollte mich nicht wundern, bei den Beamten vermehrt Dickdarm- und
Lungenerkrankungen zu finden.
Jede zwanghafte Handlung, die sich verselbständigt hat und nicht mehr der Erhaltung einer sozialen Gemeinschaft
dient, ist eine potentielle Störung dieser beiden Funktionskreise Dickdarm und Lunge. Ich denke da auch an
bestimmte zwanghafte Sauberkeitsrituale mancher Hausfrauen, die aus falsch verstandenem Pflichtgefühl die Wohnung
ständig blitzblank halten, in Wahrheit aber andere Inspirationen brauchen, um wieder belebt zu
werden!
Fortsetzung
siehe: Akupunktur
Teil 3
Inhaltliche
Verantwortung und zur Kontaktaufnahme:
Ausbildungszentrum Nord Udo Lorenzen
Projensdorfer Straße 14
24106 Kiel
Telefon: 0431 - 33 03 01
Telefax: 0431 - 33 03 01
URL: www.ausbildungszentrum-nord.de
URL: www.zhenjiu.de
URL: www.abz-nord.de
Email: u.lorenzen@ki.comcity.de
» Literatur zur Akupunktur
«
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|