Blutegeltherapie

Dipl.-Ing. Anja Neumann
Heilpraktikerin
„Nach dem anfänglichen Ekel kommt die
Begeisterung!“
Ich kann nicht sagen, dass mich Blutegel schon immer fasziniert hätten. In meiner
Jugendzeit habe ich mich vor Blutegeln noch sehr geekelt. Wenn ich sie im Uferbereich von Seen sah, habe ich
mich beeilt, um schnell in tieferes Wasser zu kommen.
Wahrscheinlich hätte ich auch einen leichten hysterischen Anfall bekommen, wenn sich ein Egel bei mir festgesaugt
hätte. Der damalige Ekel ist aber einer absoluten Begeisterung für die nützlichen Tierchen gewichen. Heute setze
ich sie mir sogar selber an und finde sie inzwischen regelrecht ästhetisch.

Da Blutegel sehr sauberes Wasser benötigen, findet man sie heute bei uns kaum noch. Die
mitteleuropäischen Blutegel sind fast ausgestorben und deshalb streng geschützt. Für die Therapie bestellt
man sie heute in speziellen Zuchtbetrieben.
Schon in meiner Heilpraktikerausbildung in Kiel habe ich schon viel Gutes über die
Blutegeltherapie gelernt und auch anschließend eine umfangreiche Fortbildung dazu gemacht. Allerdings haben
vor 10 Jahren die Patienten die Methode leider oft aus Ekel und Unkenntnis abgelehnt. Erst durch die
umfassenden Berichte in diversen Gesundheitssendungen im Fernsehen ist die Blutegeltherapie wieder sehr
gefragt und die Patienten kommen inzwischen von weit her, da es nur noch wenige Naturheilkundler gibt, die
diese tolle Therapie anbieten. Mir liegt es sehr am Herzen, dass noch mehr Menschen Ihren Ekel überwinden und
sich mit den positiven Eigenschaften dieser Tiere befassen.
Wirkungsweise der Blutegeltherapie
Da es immer noch zu wenige Studien
gibt, gehört die Blutegeltherapie zu dem Bereich der Erfahrungsheilkunde. Trotzdem erfreut sich in der letzten
Zeit diese Methode einer immer größeren Beliebtheit bei den Patienten.
Die Blutegeltherapie ist schon sehr alt und gehört zu den "aus- und ableitenden
Verfahren". Bei dem Saugvorgang kommt es pro Blutegel zu 5 bis 10 ml Blutverlust. Der Blutverlust soll eine
entstauende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung haben, Stoffwechselschlacken und Körpergifte sollen
ausgeleitet werden, der Lymphstrom beschleunigt werden, damit insgesamt die Selbstheilungskräfte des Körpers
gefördert werden.
Entscheidend für die Wirkung ist der Speichel, der bei dem Saugvorgang vom Egel
abgegeben wird. Man vermutet im Blutegelspeichel mehr als 100 verschiedene Substanzen, von denen heute nur knapp 25
bekannt und erforscht sein sollen. Die bekanntesten Bestandteile sind Hirudin, Calin, Eglin und Hyaluronidas.
Zusammen mit den anderen Stoffen wird diesen Bestandteilen eine gerinnungshemmende, gefäßkrampflösende,
lymphstrombeschleunigende, immunisierende und antibiotische Wirkung nachgesagt. Somit ist der Speichel also
entzündungshemmend, verbessert die Fließfähigkeit des Blutes, regt den Stoffwechsel und das Immunsystem an. Einige
Bestandteile werden heute schon gentechnisch hergestellt. Trotzdem können sie den Blutegel nicht ersetzen, denn die
Wirkung ergibt sich wohl erst durch das Zusammenwirken all seiner Substanzen.
Einsatzgebiete der
Blutegelbehandlung
Zu mir in der Praxis kommen Menschen zur Blutegeltherapie mit ganz unterschiedlichen
Beschwerden. Neben anderen begleitenden Maßnahmen setze ich Blutegel ein, z.B. zur Schmerzlinderung bei
Nervenschmerzen, Polyneuropathien, Arthritis, Wirbelsäulenbeschwerden, Zerrungen, Verstauchungen oder
Narbenbeschwerden, wegen der besseren Durchblutung bei starken und schmerzhaften muskulären Verspannungen, bei
schmerzhafter Arthrose (darüber gibt es inzwischen auch eine Studie), Krampfadern, Besenreisern, Migräne,
Bluthochdruck, Tinnitus und bei verschiedenen Stauungen im Körper, wie z.B. Lymphstau, Regelschmerzen oder
Pfortaderstau.
Es gibt aber noch zahlreiche andere Möglichkeiten, bei denen Blutegel Anwendung
finden. Einige Naturheilkundler setzen Blutegel ein z.B. bei Diabetes mellitus, infektiösen und schlecht heilenden
Wunden, Abszessen, Depressionen, Nagelbettentzündung, Ohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündungen, Grünem Star,
Gichtanfall, Venenentzündungen und Hämorrhoiden.
Nebenbei soll die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit erhöht werden, das
Immunsystem stabilisiert werden und die Blutbildung angeregt werden.
Die Behandlung wirkt über Wochen und Monate im Körper nach und wenn eine
Behandlung nicht ausreicht, empfehle ich bei chronischen Erkrankungen eine Wiederholung alle 4-6 Monate.
Behandlungsablauf der
Blutegeltherapie
Vor der Behandlung wird jeder meiner
Patienten ausführlich aufgeklärt über den Ablauf, die Kontraindikationen, mögliche Risiken und
Nebenwirkungen.
Am Behandlungstag und auch am Folgetag sollten große Anstrengungen vermieden
werden. Da Blutegel sehr sensibel sind und im ungünstigsten Fall nicht beißen, sollte man auf duftende Kosmetika
und bestimmte Nahrungsmittel verzichten.
Je nach Anwendungsort wird die Behandlung im Sitzen oder Liegen
durchgeführt.
Man spürt einen leichten Brennschmerz beim Biss und in der Anfangszeit auch beim
Saugen. Der ist aber als durchaus erträglich und verschwindet bald, denn der Blutegel gibt schmerzstillende Stoffe
ab.
Die Saugzeit der Blutegel ist vorher schlecht zu kalkulieren und beträgt je nach
Größe des Blutegels, seinem Hungerzustand und der Durchblutung der Saugstelle 15 bis 30 Minuten aber es kann auch
bis zu 3 Stunden dauern. Die gesättigten Blutegel lassen von alleine los und fallen ab.
Bei der Terminplanung sollte man den erhöhten Zeitaufwand mit einkalkulieren. Ich
denke, dass die schlechte Kalkulierbarkeit der Behandlungsdauer ein Grund dafür ist, warum diese schöne
Therapieform in nur noch wenigen Praxen zum Einsatz kommt.
Generell ist das Nachbluten durchaus erwünscht und ist ein wesentlicher
Bestandteil der Therapie. Es dauert durchschnittlich 8-20 Stunden und sollte nicht gestoppt werden. Liegt
allerdings die Nachblutungszeit über 24 Stunden, sollte sie unbedingt mit einem Druckverband gestoppt
werden.
Spätestens am Folgetag ist ein Verbandswechsel zwingend notwendig. Das dazu
benötigte Material gebe ich meinen Patienten mit oder empfehle einen erneuten Besuch in der Praxis.
Bei auftretenden Komplikationen ist ebenfalls eine Wiedervorstellung
erforderlich.
Risiken und Nebenwirkungen einer
Blutegelbehandlung
Heftige Nebenwirkungen sind bei dieser Therapieform eher selten, und ich habe dies
in meiner Praxistätigkeit bisher zum Glück noch nicht erlebt. Das Nachbluten, ein leichter Juckreiz in den
Folgetagen und eine kleine Schwellung an der Bissstelle gehören für mich dazu. Dies würde ich nicht als
Nebenwirkung, sondern als Folge der Wirkung bezeichnen. Im Folgenden möchte ich aber meiner Sorgfallspflicht
nachkommen und alle möglichen Nebenwirkungen kurz benennen, die bisher beschrieben wurden. Meine Patienten werden
diesbezüglich immer sehr umfassend vor Behandlungsbeginn aufgeklärt.
Nebenwirkungen können sein: Kreislaufreaktionen durch verlängertes Nachbluten,
allergische Reaktionen, juckende Hautrötungen, Lymphknotenschwellung, Bluterguss, vorübergehender Gelenkerguss,
Infektion der Wunde, Wundheilungsstörung, Pigmentstörungen oder Vernarbungen.
Durch die Anwendung von Blutegeln ist das Übertragen von Bakterien und Viren (z.B.
HIV und Hepatitis) nicht völlig auszuschließen. Durch die kontrollierte Zucht- und Haltungsmethoden ist dieses
Risiko jedoch auf ein Minimum reduziert und bisher wurde noch keine dieser Infektionen durch Blutegel
nachgewiesen.
Falls Nebenwirkungen auftreten sollten, werden ggf. Gegenmaßnahmen erforderlich
(z.B. bei verlängertem Nachblutungen: Kompressionsverband, bei Infektion: Antibiotikum vom Arzt). Falls zu einem
späteren Zeitpunkt Nebenwirkungen auftreten sollten, bitte ich um sofortige Rücksprache und gegebenenfalls
Wiedervorstellung.
Kontraindikationen einer
Blutegeltherapie
Folgende Faktoren müssen vor
einem Einsatz von Blutegeln unbedingt abgeklärt werden und führen dazu, dass dieses Verfahren nicht angewendet
wird! Zu den Kontraindikationen gehören: Blutgerinnungsstörungen: z.B. durch Marcumar, Falithrom,
oder bei Blutern (Hämophilie), verminderten Blutplättchen (Thrombozytopenie) u.a., akute Magen- oder
Darmgeschwüren, deutliche Blutarmut, erhebliche Immunschwäche (AIDS, Chemotherapie…), schwere chronische
Erkrankungen (z.B. fortgeschrittene Krebserkrankungen, langjährige Dialyse, u.a.), ausgeprägte
Wundheilungsstörungen (z.B. bei schlecht eingestelltem Diabetes, erheblichem Übergewicht, u.a.), bekannte
Allergien gegen Blutegel-Inhaltsstoffe, Neigung zu überschießender Narbenbildung, Schwangerschaft und
Stillzeit.
Fazit
Durch meine Erfahrungen bin ich inzwischen ein regelrechter Fan der Blutegeltherapie
geworden und freue mich auch sehr über Patienten, die sich für die kleinen „Helfer“ begeistern können! Ein
anfänglicher Ekel schwindet bei den Patienten schnell, wenn sie sich mit dem Nutzen dieser alten Therapieform etwas
mehr beschäftigen und vor allem dies am eigenen Leib einmal erfahren durften. Gerade bei chronischen Erkrankungen,
bei denen schulmedizinisch alles abgeklärt wurde, ist es oft ein Versuch wert. Ich möchte jedenfalls meine „kleinen
Zauberer“ nicht mehr missen!
Kontakt
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Wer Interesse hat oder weitere Informationen benötigt, kann sich gerne
bei mir melden oder meine Homepage besuchen: www.praxis-neumann.net
Hier finden Sie auch die Termine zu den nächsten kostenlosen Vorträgen in meiner Praxis und in
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Kopfschmerzen, Darmgesundheit, Entgiftung, Blutegeltherapie, Allergien und Unverträglichkeiten sowie chronisch
entzündliche Darmerkrankungen. M. Crohn und Colitis
Ulcerosa. ««
Inhaltliche Verantwortung und zur
Kontaktaufnahme:
Naturheilpraxis
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