Führung eines Migräne-Kalenders
Sollte man einen Migräne-Kalender führen?
Als die wissenschaftliche Erforschung der Migräne begann, gab es anfangs Streit darüber, ob es sinnvoll ist, vom
Migränepatienten einen Migränekalender führen zu lassen. Es ist eine Erfahrung in der Medizin, dass Aufmerksamkeit
Symptome (z.B. Schmerzen oder Ohrgeräusche) verstärkt und dass Ablenkung die Symptome abschwächt oder verschwinden
lässt. "Wenn sich der Patient nun ganz genau mit seiner Migräne beschäftigen muss, hat das nicht eine Verstärkung
zur Folge?" fragen sich manche Ärzte. Doch erfreulicherweise kam es nicht zu einer Verstärkung, im Gegenteil. Es
gab Untersuchungen, bei denen allein durch das Führen des Kalenders die Migräne etwas schwächer wurde.
Dass es ohne Migränekalender nicht geht, wird jeder Arzt bestätigen, der die Migräne intensiv behandelt. Allein
der Bericht des Migränepatienten über die vergangene Zeit ist oft verzerrt. Manche Patienten wollen ihrem Arzt
etwas Gutes tun und ihm Besserungen berichten, obwohl es gar nicht der Fall ist. Andere klagen, dass es überhaupt
nicht besser geworden ist, obwohl sie ein Drittel weniger Anfälle als vor der Therapie haben. Aber nur weil sie
gestern einen Anfall hatten, geben sie keine Besserung der Migräne an. Dass
Migräne-Kalender wichtig sind, ist unbestritten. Nur welchen Kalender sollte man nehmen? Es gibt eine Unzahl
solcher Kalender, jede Firma mit Migräne-Medikamenten und jeder Migräne-Experte veröffentlicht eine eigene
Variante. Wir haben im Lauf der Jahre viele Kalender erprobt. Manche machten Patient und Arzt sehr viel Arbeit.
Wenn man dann aber die Ergebnisse sah, standen Aufwand und Ergebnis in keinem Verhältnis. Wir nehmen deshalb die
kleinste Variante, einen Regelkalender vom Frauenarzt bzw. einen Anfallskalender für Epilepsiepatienten.
Diesen Kalender führt man nach einem einfachen Schema:
tritt keine Migräne auf, wird nichts angestrichen
ist die Migräne gering - erfolgt ein Strich über ein Kästchen
ist die Migräne mittelstark- erfolgt der Strich über zwei Kästchen
ist die Migräne ganz stark- erfolgt der Strich über drei Kästchen.
Frauen mit Menstruation sollten zusätzlich am Rand durch einen roten Strich vermerken, wie lange die Regel
dauert. Damit kann man feststellen, ob die Migräne immer oder u.a. 2 Tage vor der Regel
auftritt(Menstruations-Migräne) oder nicht.
Dieser Migräne-Kalender ist einfach zu führen, er erfordert praktisch keine Zeit, er ist gut unterzubringen und
er gibt eine wesentliche Auskunft über den Verlauf der Migräne und den Einfluss der Therapie. So kann man im
Jahresverlauf sehen, ob die Migräne immer regelmäßig oder zu bestimmten Zeiten häufiger auftritt. Eine Therapie
wird man dann vor allem in die Zeit legen, in der besonders viele Migräne-Anfälle auftreten.
Mit Hilfe des Kalenders kann man nicht nur die ärztliche Therapie beurteilen. Auch der Patient kann schnell
sehen, ob bestimmte Verhaltensänderungen einen Erfolg bringen oder nicht. Dafür wird der Migräne-Kalender 1-2
Monate ohne Therapie oder Verhaltensänderung geführt. Dann wird eine Behandlung durchgeführt(Betablocker, bestimmte
Vitamine, täglicher Spaziergang von Minuten, Weglassen von Kaffee u.a.). Nach 2 oder besser 3 Monaten vergleicht
man dann Intensität und Häufigkeit der Migräne vor und während der Behandlung, indem man alle Striche im Verlauf
eines Monats zusammenzählt. Man zählt immer vom 1. des Monats bis zum Monatsende. Jemand der 4 Migräne-Anfälle mit
der Stärke 3 hatte, hat also am Monatsende die Zahl 12. Ist durch die Behandlung die dann auf 6 zurückgegangen,
dann war die Therapie schon recht erfolgreich. Ist die Zahl aber nur 11, dann war die Behandlung bei diesem
Patienten nicht erfolgreich.
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