Homöopathie

 

Homöopathie in der Schwangerschaft

Kirsten Osbahr über Homöopathie in Herbst und Winter


Kirsten Osbahr

Heilpraktikerin

Natürlich ist die Schwangerschaft keine Krankheit. Neben den körperlichen Veränderungen und Belastungen steht der neunmonatige mentale Wandlungsprozess von der Frau zur Mutter im Mittelpunkt, aus Partnern werden Eltern. Vor diesem Hintergrund sind die meisten krankhaften Erscheinungen und Befindlichkeitsstörungen zu verstehen. Bei Störung des ganzheitlichen Entwicklungsprozesses kann die Homöopathie in idealer Weise harmonisierend wirken. Trotzdem sollte jegliche Medikation in der Schwangerschaft erst nach strenger Indikationsstellung erfolgen.

Spätestens jetzt gilt es, sich mit gesunder Lebensführung den veränderten Umständen anzupassen. Wir erleben eine schnelllebige Epoche, in der inzwischen gehäuft existentielle Ängste auftreten. Die meisten Schwangerschaftsbeschwerden werden heute durch Stress, berufliche Belastungen, Lärm, toxische Umwelteinflüsse oder Streit ausgelöst.

 

Allgemeine Gesundheitstipps

  • Sie haben neun Monate Zeit, sich mit ihrem Partner auf die Elternrolle vorzubereiten. Erleben und genießen Sie die Schwangerschaft bewusst.

  • Bemühen Sie sich um Ausgewogenheit, achten Sie dabei auf Ihren natürlichen biologischen Rhythmus. Bewegung, Luft und Licht tun Mutter und Kind gut. 

  • Rauchen führt zur Minderung des Geburtsgewichts und zu erhöhter perinataler1 Sterblichkeit, auch Alkoholgenuss schädigt das Ungeborene und kann schwerwiegende Entwicklungsstörungen verursachen.

  • Ausgewogene Ernährung beugt Nährstoffmangel vor. Jetzt ist es wichtig, die Eiweißaufnahme zu steigern (Fleisch, Fisch, Milch/-produkte, Eier, Käse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Naturreis). Nahrungsmittel sollten im wahrsten Sinn des Wortes Lebensmittel sein: naturbelassen, schadstofffrei, schonend zubereitet. Salz darf verwendet werden, wenn die Schwangere gesund ist. 

  • Verzichten Sie auf: Zucker, Weißmehlprodukte, Fast- Food, Limonaden (verursacht starke Blutzuckerschwankungen), Fettgebackenes, Kaffee (erhöht den Vitaminbedarf). 

  • In den letzten Schwangerschaftswochen wird häufig vermehrt Wasser eingelagert, Beine und Füße schwellen an. Ödeme können Sie durch regelmäßige Obst- oder Reistage ausschwemmen. Auch eine dreitägige Pellkartoffeldiät wirkt entwässernd, senken Sie den Salzverbrauch und verzichten Sie auf natriumreiche Mineralwässer. 

  • Im Rahmen der Vorsorge sollten invasive2 und risikobehaftete Untersuchungen streng erwogen werden. Es gilt immer wieder, den biologischen, natürlichen, normalen, unkomplizierten Verlauf von Schwangerschaft und Geburt zu betonen. Dieser Prozess kann optimal durch homöopathische „Lenkung“ der Schwangerschaft unterstützt werden, die allerdings in die Hände des Heilpraktikers oder Arztes gehört. Die so begleiteten Neugeborenen fallen durch große Zufriedenheit, Ausgeglichenheit, Kraft und Gesundheit auf.

  • Sport ist solange wie möglich erlaubt und erwünscht, auch reiten, joggen, schwimmen. Das Gleiche gilt für sexuelle Betätigungen. Das mittlere Schwangerschaftsdrittel ist das stabilste und bedarf am wenigsten der Einschränkungen. 

Auch bei ausgewogener Ernährung kann es zu Vitamin- und Mineralstoffmangel kommen, da der Bedarf nicht zuletzt durch das größere Blutvolumen in der Regel um ein Drittel steigt. Der Folsäurebedarf ist in der Schwangerschaft sogar um 100% erhöht.

 
Magnesium in der Schwangerschaft

Magnesium ist von wichtiger Bedeutung für den Stoffwechsel, etwa 300 Enzyme benötigen es zu Energiegewinnung, Abwehr, Zuckerstoffwechsel…Nervenerregung, Herzschlag, Arbeit von Leber und Darm… Der Magnesiumbedarf von Kindern und Schwangeren ist erhöht.


Mangelsymptome in der Schwangerschaft sind

  • Verlangen nach Fleisch und Kaffee, Abneigung gegen Gemüse, Milchunverträglichkeit.

  • Angst vor Vitaminmangel, fehlendes Glücksgefühl. Überreizt, missmutig, empfindlich.

  • Wadenkrämpfe und/oder saures Aufstoßen in der zweiten Nachthälfte.

  • Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulen- Bereich.

  • Störungen im vegetativen NS, Schmerzen, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen. 


Diese Lebensmittel enthalten Magnesium: Nüsse, Vollkorn, Mais, Hülsenfrüchte, ungeschälter Reis. Hausmittel finden Sie unter der Überschrift „Sodbrennen“. Eine Dauergabe von Magnesium sollte wie jede Arznei, auch die homöopathische, in der Schwangerschaft sorgsam abgewogen werden.


Homöopathie bei Muskelkrämpfen

Cuprum metallicum, generell bei Krämpfen oder Wadenkrämpfen
Acidum silicicum, wenn zudem Körperteile auf denen die Schwangere liegt „einschlafen“
Sepia  bei „restless legs“ und nächtlichen Krämpfen
Zincum metallicum (Ausnahme: D10!), wenn der Schlaf durch zuckende Beine gestört wird.

Bei einmaliger Einnahme empfehlen sich 5 Globuli in der Potenz C30. Diese können auch in einem Glas Wasser aufgelöst und schluckweise getrunken werden. Ansonsten werden 3x täglich 5 Globuli der D6 eingenommen. Dies ist niemals eine Dauermedikation.

Das Eisenproblem

Neben Magnesium sind Eisenpräparate eine der häufigsten Verordnungen in der Schwangerschaft. Eisenmangel ist im letzten Schwangerschaftsdrittel physiologisch (Blutvolumen steigt, Zusatz-Untersuchungen Hämoglobin, Hämatokrit und Ferritinwert sind nötig, um eine Aussage zu treffen).


Symptome eines Eisenmangels/ einer Anämie

  • Kurzatmigkeit, Müdigkeit

  • Schwindel, Herzklopfen, Ohrensausen

  • Erröten

  • Kalte Hände und Füße, leichtes Frieren

  • Blässe der Schleimhäute an Augen und Mund

  • Haare stumpf und brüchig

  • Rhagaden3

  • Gehäufte Infekte

  • Konzentration sinkt, die Psyche ist labil 

Eisen aus tierischem Eiweiß wird besser resorbiert, wobei Vitamin C die Eisenaufnahme über den Darm unterstützt. Trotzdem darf auf das Fleisch verzichtet werden. Vegetarische Eisenlieferanten sind: Sojabohnen, Eigelb, Nüsse (bes. Mandeln und Haselnüsse), Rosinen, Karotten, rote Beete, Sellerie, krause Petersilie (in Maßen, denn Petersilie fördert Kontraktionen des Uterus). Die Verwertung wird beeinträchtigt durch Schwarztee, Puddingpulver, Instantsuppen, Rhabarber (Oxalate), Phosphate (Brause, Kakao, Schokolade, Schmelzkäse).

Da eine reine Eisensubstitution die Ursachen des Mangels nicht berücksichtigt, wird der Homöopath oder die Homöopathin bei der Diagnose Anämie immer die Gesamtheit der Symptome und die Gemütsverfassung prüfen, um zu einem passenden Homöopathischen Mittel zu kommen.

Homöopathie bei Übelkeit und Erbrechen

Hier diagnostizieren wir selten Magenprobleme oder Verdauungsbeschwerden, die Hintergründe werden eher im Bereich der Psyche, hier in der Akzeptanz der Schwangerschaft, vermutet. Diskutiert wird auch eine Überreizung der Sinnesorgane.

Aus der in 50% aller Schwangerschaften auftretenden Morgenübelkeit kann sich eine Hyperemesis gravidarum4 mit ständiger Übelkeit und häufigem Erbrechen entwickeln. Das ist ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild mit Störung des Nährstoff-, Elektrolyt- und Wasserhaushaltes, das oft stationär behandelt werden muss. Kleinere fett- und eiweißarme Mahlzeiten lindern die Symptomatik. Antiemetika5 sind nicht zu empfehlen, sie könnten fruchtschädigende Wirkung haben. Die homöopathische Mittelfindung berücksichtigt, wann und durch was die Beschwerden ausgelöst, gebessert oder verschlechtert werden.

Nux vomica, bei Übelkeit, ausgelöst durch Geruch, Befindlichkeitsstörungen, Überforderung/ Stress. Essen bessert.
Sepia officinalis, bei Morgenübelkeit, Essen verschlechtert das Befinden.
Colchicum autumnale, Erbrechen beim ersten Bissen, Abneigung gegen Essen.
Auch diese homöopathischen Globuli werden entweder in der C30 einmalig oder in der D6 3x täglich, wie vorher beschrieben, eingenommen. 

Homöopathie bei Sodbrennen

Im Verlauf der Schwangerschaft kommt es mit Verdrängung der Bauchorgane durch die Gebärmutter zunehmend zu Beschwerden durch aufsteigende Magensäure. Nehmen Sie dann kleinere Speisemengen zu sich. Neben der Homöopathie hilft dieses Hausmittel:

10 schalenlose Mandeln 3-5-mal täglich feinzerkaut schlucken (auch gegen Muskelkrämpfe, vorzeitige Wehen, Schlafstörungen. In der Schulmedizin werden Magnesium- Aluminium- Verbindungen verordnet. Auf Kaffee, Süßigkeiten und übermäßigen Fleischgenuss (übersäuert) sollten sie jetzt verzichten und sich ausreichend Schlaf, Entspannung und Zeit fürs Essen gönnen.

Pulsatilla pratensis, Sodbrennen nach süßem oder schwerem Essen, Aufstoßen mit langanhaltendem Nachgeschmack Robinia pseudoakazia, saures Aufstoßen mit Magenschmerzen, saures Erbrechen. 
Capsicum annuum, häufiges Aufstoßen, Mundgeruch, Brennen im Magen.

Die Dosierung erfolgt in der Regel, wie vorher beschrieben.

Obstipation in der Schwangerschaft

Schwarzer starker Tee, der länger als 5 Minuten gezogen hat, Rotwein, Kakao und Kakaoprodukte, ballaststoffarme Nahrungsmittel und Bewegungsmangel und Flüssigkeitsmangel wirken verstopfend. Gesäuerte Milchprodukte, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte fördern die Verdauung. Abführmittel können Wehen anregend wirken!

Hausmittel

  • Morgens 1- 2 TL Obstessig in 200 ml lauwarmem Wasser, Naturjoghurt mit 1 EL ungeschrotetem Leinsamen (wirkt laxierender als geschroteter 1 EL Milchzucker im Müsli. 


Die häufigsten homöopathischen Mittel sind u.a. Alumina, Sulfur, Sepia, Pulsatillla, Graphites oder Nux vomica.


Stimmungsveränderungen in der Schwangerschaft

Psychische Veränderungen und Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft sind „normal“, Missstimmungen wie Schwermut sollten allerdings behandelt werden. Dabei kommen in der Homöopathie häufig folgende Mittel zum Einsatz:
Aurum, Cimicifuga, Natrium muriaticum, Lachesis.

Eine genaue Repertorisation kann nur Ihr Heilpraktiker oder Arzt vornehmen.


Schlafstörungen in der Schwangerschaft

Schlafstörungen finden sich in der Schwangerschaft sowohl aufgrund psychischer Belastungen, als auch im letzten Schwangerschaftsdrittel durch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.

Hier empfehlen sich Temperatur- ansteigende Fußbäder vor dem Schlafengehen und Entspannungsbäder. Genussmittel und schwerverdauliche Mahlzeiten sollten Sie meiden.

Aconitum in der D12 stellt die Gedankenmühle im Kopf ab. Nehmen Sie bei Bedarf 5 Globuli eine Stunde vor und zum Einschlafen ein.

Belladonna, Cimicifuga, Nux vomica oder Coffea sind ebenfalls Mittel der Wahl.


Geburtsvorbereitung homöopathisch begleitet

Bei typischen Störungen des letzten Schwangerschaftsmonats, wie Unruhe, unregelmäßige Wehen, labile Gemütslage, Wehenschwäche ist Pulsatilla C6 oder C30 in Wasser aufgelöst für 1-2 Tage das Mittel der Wahl. Es sollte wie jede Arznei nicht ohne Repertorisation der Symptome verabreicht werden.

Auch Frauenmantel- oder Himbeerblättertee bereiten optimal auf die Geburt vor.

1 perinatal (Die Perinatalperiode streckt sich von der
  28. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der ersten Lebenswoche.
)
2 invasiv (In der medizinischen Diagnostik oder Therapeutik werden
  solche Methoden als invasiv bezeichnet, die in den Körper eindringen)
3 Rhagaden (Eingerissene Mundwinkel, auch Rhagaden genannt, sind
  schmerzhafte Risse in der Haut. Vorkommen: Mundwinkel, Darm,
  Füße, After)
4 Hyperemesis gravidarum (Als Hyperemesis gravidarum wird ein
  übermäßiges und anhaltendes, oft über den ganzen Tag wie auch
  nächtliches Erbrechen auch bei leerem Magen bezeichnet, das vor
  allem im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel [Trimenon]
  auftritt.)
5 Antiemetika (sind Medikamente, die Übelkeit und Brechreiz
  unterdrücken sollen)

 

Wichtiger Hinweis:
Jedes homöopathische Rezept ist erfolgreich in der täglichen Praxis erprobt. Dennoch - setzen Sie es immer erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker ein. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

(siehe auch:  Schüssler Salz Rezepte, die Heiltee Rezepte, homöopathische Rezepte und die Kinderheilkunde Rezepte)

 

 

Inhaltliche Verantwortung und zur Kontaktaufnahme:

Kirsten Osbahr

Holtenauer Str. 59a
24105 Kiel
Telefon: 0431 - 240 32 05
Telefax: 0431 - 240 32 04
Email:
kirstenosbahr@googlemail.com

URL:   www.naturheilpraxis-osbahr.de

siehe:   Veranstaltungskalender   


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